Via Mediaeval 2019: Ensemble La Reverdie - "L’occhio del chor"

Diese Woche verlost das Kulturland Rheinland-Pfalz, zusammen mit Kultursommer Rheinland-Pfalz, zwei Tickets für ein Konzert aus dem Jubiläumsprogramm Via Mediaeval 2019, vom 14. bis zum 28. September.

Freuen Sie sich auf das "Ensemble La Reverdie - "L’occhio del chor": Das Auge des Herzens Blinde Liebe in der Musik von Landini", am 22. September, 17 Uhr in St. Maria, in Offenbach-Hundheim.

Mit seiner Jubiläums-Edition blickt Via Mediæval zurück auf Konzerte aus 20 Jahren und präsentiert „alte Bekannte“, sowohl als Interpreten als auch in der Auswahl der Räume. Sechs Konzerte führen die Gäste in diesem Jahr zurück zu den Wurzeln unserer Musikgeschichte.

"Die Musik- und Zeitreise beginnt am geographischen Rand Europas, auf Zypern, der Insel der Aphrodite. Zypern wurde von Richard Löwenherz während seines Kreuzzugs 1198 erobert und zunächst den Templern übergeben, die es wiederum Guy de Lusignan, dem letzten König von Jerusalem, überließen. Die Dynastie der Lusignan herrschte auf Zypern bis ins späte 15. Jahrhundert. Am Hof von König Janus (reg. 1398–1432) florierten Künste und Musik, besonders die sehr verfeinerte Kompositionskunst der französischen Ars subtilior. Trio Mediaeval vom nördlichsten Rand Europas zusammen mit John Potter von den Britischen Inseln – Brexit hin oder her – präsentieren dieses besondere Musikrepertoire in der grandiosen Abteikirche von Otterberg und untersuchen dabei auch die Einflüsse von Guillaume de Machaut, des großen Exponenten französischer Musik des 14. Jahrhunderts.

Von Zypern gelangen wir in die sonnige Provence, dieser von Kultur getränkten Landschaft, in der im Mittelalter die Kunst der Troubadours blühte. Eleonore von Aquitanien herrschte als Königin über Frankreich und England und war eine der größten Mäzeninnen der Troubadours und der im nördlicheren Frankreich tätigen Trouvères. Sie besangen die unerfüllte Liebe zur höfischen Dame, die sie auch unabhängig von ihrem tatsächlichen Stand als Königin zumindest des Herzens titulierten. Von dort war es nicht weit zur Königin des Himmels, der Jungfrau Maria. Und so vermischen sich in der Dichtkunst der Troubadours und Trouvères auf raffinierte Weise die weltliche und religiöse Sphäre. Anne Azéma, die international renommierte Interpretin für dieses Repertoire, führt uns in ihrer „One woman show“ in dieses intrikate Vexierspiel ein. Dargeboten in der intimen Atmosphäre des Mönchsaals in Klingenmünster und ganz konzentriert auf die Stimme und wenige Instrumente, freuen wir uns auf einen besonders eindrücklichen Abend.

Die Provence und Frankreich waren auch dem vielgereisten Oswald von Wolkenstein nicht fremd. Als Diplomat im Dienste König Sigismunds und in eigenen Angelegenheiten durchquerte er nach den Angaben in seinen Liedern das ganze damals bekannte Europa. Natürlich fehlte er auch nicht beim größten europäischen Ereignis des Spätmittelalters, dem Konstanzer Konzil. Hier trafen sich von 1414–1418 alle geistlichen und weltlichen Würdenträger von Rang und Namen, um das Kirchenschisma mit drei gleichzeitig amtierenden Päpsten zu beenden. Mit ihnen kamen auch ihre Hofkapellen und Musiker nach Konstanz, so dass hier ein unvergleichlicher Austausch von Musik im Sinne einer Europäischen Musikkultur stattfinden konnte, von dem auch Oswald profitierte. Das Ensemble Sequentia entführt in seinem Konzert in die Liederwelt Oswalds von Wolkenstein, in der er sich über die hohen Preise, den Diebstahl und fehlende Unterkünfte beklagt oder einen verheerenden Besuch im Nachtlokal beschreibt. Doch auch politische Entscheidungen finden sich durchaus im Repertoire Wolkensteins, so etwa ein Lied über Jan Hus. Neben den berühmten autobiographischen Liedern Oswalds, wie zum Beispiel "Es fügt sich", sind im Konzert des Ensembles Sequentia Instrumentalstücke basierend auf Melodien von Oswald zu hören. Das Fabianstift in Hornbach bietet mit seiner Akustik den geeigneten Rahmen für die legendäre Vortragskunst von Benjamin Bagby.

Oswald war auf einem Auge blind – Francesco Landini erblindete bereits in der Kindheit völlig, was ihn aber nicht daran hinderte, der bedeutendste Komponist des 14. Jahrhunderts in Italien zu werden, ebenbürtig seinem Zeitgenossen Guillaume de Machaut in Frankreich. Aus zahlreichen Erzählungen und Abbildungen wissen wir, dass Landini ein besonders begnadeter Virtuose auf dem Organetto bzw. Portativ war, der kleinen tragbaren Handorgel. Wenn er seine eigenen Kompositionen spielte und sang, sollen sogar die Vögel ihren Gesang unterbrochen und danach in die Musik mit eingestimmt haben. Landini steht damit in einer langen Tradition berühmter blinder Organisten der europäischen Musikgeschichte. Das italienische Ensemble La Reverdie, das sich seit vielen Jahren speziell der Musik des Trecento widmet, geht der spannenden Frage nach, inwiefern die Erblindung Landinis eine besondere Innigkeit seiner Kompositionen im Sinne eines inneren Sehens mit dem Herzen bedingte.

Von Italien geht es weiter nach Burgund. Hier nahm im 12. Jahrhundert mit den Zisterziensern einer der bedeutendsten monastischen Reformorden des Mittelalters seinen Ausgangspunkt. Abheben wollten sich die Zisterzienser vor allem von den Benediktinern von Cluny, die – ursprünglich selbst in reformerischer Absicht – inzwischen zu Reichtum, Wohlstand und Einfluss gelangt waren. Ihre Kirchengebäude glichen einer Klosterstadt und die Kirche von Cluny war die größte der Christenheit, in der eine reiche, prachtvolle Liturgie gefeiert wurde. Die Zisterzienser und vor allem Bernhard von Clairvaux setzten dagegen eine radikale Einfachheit in Liturgie, Gesang und Architektur. Das Ensemble Ordo Virtutum stellt anlässlich der erstmalig von Via Mediaeval ausgerichteten REMA (European Early Music Network)-Tagung im Dom zu Worms in einem Doppelkonzert die Musik der Ekstase aus Cluny und der Askese aus Cîteaux gegenüber.

Die Reise endet in den Stammlanden dieser Reihe und bringt mit Hildegard von Bingen die neben Oswald von Wolkenstein wohl bekannteste Figur des Mittelalters in den musikalischen Reigen ein: Bekanntermaßen empfing sie ihre theologischen Erkenntnisse in Vision, hörte aber auch die mit ihr verbundene Musik in Auditionen. Das junge Nachwuchs-Ensemble La Mouvance – auch dies eine Tradition von Via Mediaeval – spürt in der Basilika von Bechtheim den vielfältig im Mittelalter belegten Erfahrungen von Visionen, Wundern und Mirakeln und ihrem Nachwirken in der Musik nach."

(Prof. Dr. Johannes Morent)

Quelle und weitere Informationen: http://www.via-mediaeval.de/
und im Kulturland: http://kulturland.rlp.de

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