So viel Kultur wie möglich

Seit 30 Jahren ist der Kultursommer eine feste Größe in der Kulturpolitik von Rheinland-Pfalz. Er fördert Kulturveranstaltungen in Stadt und Land, Breitenkultur und Spitzenkultur; berät und unterstützt die Veranstaltenden, sorgt selbst für neue Ideen und frische Impulse: Wichtige Aufgaben nicht nur, aber gerade auch gerade in schwierigen Zeiten.

So konnten auch in diesem Jahr – durch das Engagement der Kulturschaffenden und aber auch mit Hilfe des Kultursommers Rheinland-Pfalz – fast 200 Projekte durchgeführt werden. „Für mich war es eine sehr schöne Erfahrung, in vielen Landesteilen Kultursommerveranstaltungen besuchen zu können“, so Kulturministerin Katharina Binz bei der heutigen Pressekonferenz in Mainz.

Offiziell wurde der Kultursommer 2021 Anfang Juni in Zweibrücken eröffnet – pandemiebedingt einen Monat später als geplant. Vor zweimal 100 Gästen und hybrid haben Künstlerinnen und Künstler aus Estland und Dänemark das Motto „Kompass Europa: Nordlichter“ aufscheinen lassen. Schon kurze Zeit später waren wieder Veranstaltungen drinnen und vor allem draußen auch für größere Zuschauermengen möglich, sodass Festivals wie die Burgfestspiele Mayen, die Nibelungenfestspiele Worms oder die Rheinfels Saga in St. Goar dieses Jahr nicht erneut ausfallen mussten.

Die „Nordlichter“ leuchteten u.a. bei der Ausstellung "Durchs Feuer" in der Villa Streccius in Landau, den Heimat Europa Filmfestspielen in Simmern, auf der Open-Air Bühne vor Schloss Engers, bei Palatia Jazz, der Illuminale in Trier und beim Eifel Literaturfestival. Dazu bei den Reihen und Festivals des Kultursommers, die immer wieder besondere Vernetzungen ermöglichen: ORGELwochen, Via Mediaeval und No Strings Attached sowie die Tournee des Chortheaters Amanda aus Schweden, das in Zweibrücken, Bad Kreuznach und im Kulturwerk Wissen das Publikum begeisterte. Auch Projekte ohne direkten Bezug zum Motto „Nordlichter“ waren wieder im Kultursommer zu entdecken, von „3x klingeln“ in Mainz bis „Kopfüber – das Treffen der Kinder- und Jugendtheater“ in Neuwied.

„Dass so viel wie möglich stattfinden konnte, war ein Ziel der Corona-Verordnungen des Landes – selbstverständlich immer unter sicheren Bedingungen für die Mitwirkenden und das Publikum“, erläuterte die Kulturministerin. Geholfen haben dabei seit Frühjahr auch die Förderprogramme von Bund und Land, die zum Teil mit Unterstützung und Co-Finanzierung der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, zu der auch der Kultursommer gehört, umgesetzt wurden und werden. [Infos zu aktuellen Corona-Hilfen im Kulturbereich: www.kulturbuero-rlp.de 

Aber auch in diesem Jahr gab es pandemiebedingte Absagen. So konnten z.B. „An den Ufern der Poesie“ zum Jubiläum 1700 JAHRE JÜDISCHES LEBEN IN DEUTSCHLAND und „Summer in the City“ in Mainz nicht stattfinden, und ein Brückenprojekt zum nächsten Kultursommer mit dem Ukrainischen Jugendorchester in Kirchheimbolanden musste erst kürzlich auf 2022 verschoben werden. Vieles fand, trotz des durchwachsenen Sommerwetters, dieses Mal Open-Air oder unter Zeltdächern statt, wie z.B. in Altenkirchen im Westerwald. Anderes wurden vom Frühling auf einen Termin nach dem regulären Ende des Kultursommers (Ende Oktober) verlegt: Die Westerwälder Literaturtage endeten gerade erst Mitte November und das Festival „Gegen den Strom“ an der Lahn hat Aufführungen bis zum Jahresende im Programm, die hoffentlich noch werden stattfinden können.

„Der 30. Kultursommer Rheinland-Pfalz war durchaus erfolgreich“, fasste Kulturstaatssekretär Prof. Dr. Jürgen Hardeck zusammen, „wir waren froh über alles, was stattfinden konnte und es bringt natürlich nichts, Besucherzahlen aus Vorpandemiezeiten mit denen aus dem Sommer 2021 zu vergleichen.“ Das Motto des Kultursommers 2022 lautet „Kompass Europa: Ostwind“. Gastgeberin ist zur Eröffnung am ersten Maiwochenende (6. - 8. Mai 2022) erstmals eine ganze Verbandsgemeinde: Herxheim in der Südpfalz. Das dort ansässige Chawwerusch Theater wird in diesem Rahmen auch die Premiere ihres neuen Stückes „Donaukinder – Eine rumäniendeutsche Geschichte“ geben.

Seit dem 1. November liegen die Anträge für den Kultursommer 2022 vor, es sind – trotz der schwierigen Situation für die Kulturszene - fast so viele wie im mehrjährigen Durchschnitt. Das Programm wird Anfang des Jahres vorgestellt werden und dann auch wieder auf der Internetseite des Kultursommers präsentiert. Sie hat in diesem Jahr ein neues Gesicht bekommen und ist jederzeit einen Besuch wert: Das Kulturschaufenster und ein jetzt gestarteter Rückblick auf Projektbeispiele und Menschen, die in den letzten 30 Jahren den Kultursommer geprägt haben, laden unter www.kultursommer.de zum Stöbern ein.

Jürgen Hardeck, der den Kultursommer seit 27 Jahren als künstlerischer Leiter und Geschäftsführer geprägt hat, ist seit der Regierungsbildung im Mai 2021 Kulturstaatssekretär im Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz. Er dankte und verabschiedete sich von seinem „großartigen Team, das all die Jahre mit viel Herzblut und Engagement gemeinsam für einen erfolgreichen Kultursommer Rheinland-Pfalz gesorgt hat“, wie er sagte. Ab 1. Januar 2022 wird Teneka Beckers die Gesamtkoordination des Kultursommers übernehmen.