Eine der bedeutendsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst öffnet am Samstag in Kassel ihre Pforten. Sie zeigt über 500 Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt. Die Kulturstiftung des Bundes ist eine der wichtigsten Fördererinnen der "documenta".
Ausstellung mit Tradition
Ins Leben gerufen wurde die "documenta" bereits 1955 von Arnold Bode, einem Kasseler Künstler und Kunsterzieher. Seither hat sich die Ausstellung zu einem Publikumsmagneten und weltweit anerkannten Seismographen der zeitgenössischen Kunst entwickelt.
Jede "documenta" dauert 100 Tage und findet unter einer jeweils neu bestimmten Leitung statt. Dies gewährleistet, dass die Ausstellung eine immer wieder andere Sicht auf die Kunst der Gegenwart wiedergibt.
In diesem Jahr ist Roger M. Buergel, ein international tätiger Ausstellungsmacher und Kurator, künstlerischer Leiter der "documenta". Zusammen mit der Kuratorin Ruth Noack hat er das Konzept der Ausstellung erarbeitet und realisiert.
"documenta" als Erfahrungsraum
Buergel und Noack wollen nicht nur aktuelle Werke präsentieren. Sie haben den Anspruch, durch die Ausstellung einen Erfahrungsraum für das Publikum herzustellen. Fragen wie "Was ist die zeitgenössische Kunst?", "Was ist unsere Gegenwart?" sollen aus dem direkten Erleben der einzelnen Kunstwerke beantwortet werden.
Ein weiteres Leitmotiv der Ausstellung ergibt sich aus der Frage nach der Bildung durch die Kunst. Dabei verstehen Buergel und Noack Bildung nicht im akademischen Sinn. Sie gehen vielmehr von einem erweiterten Bildungsbegriff aus, der die Chance zu einer "allumfassenden öffentlichen Debatte" beinhaltet.
Kunstwerke aus allen Teilen der Welt
Buergel und sein Team haben weltweit Kunstwerke der verschiedensten Gattungen für die "documenta" ausgewählt. Eine kleine, aber wichtige Rolle spielen in der Ausstellung auch ältere Kunstwerke. Die These der Ausstellungsmacher dabei ist: Themen und Formen der aktuellen Kunst sind über die "Migration der Form" verwoben mit der Kunst anderer Zeiten und Kulturen.
Gezeigt wird die Ausstellung an mehreren Orten in Kassel. Hauptstandorte sind das Museum Fridericianum, die Neue Galerie, die documenta-Halle und der Aue-Pavillon. Dazu kommen Bereiche im Schloss Wilhelmshöhe, im Bergpark, dem Kulturzentrum Schlachthof und der Straßenbahn Linie 4. Exotischster Kunsterfahrungsraum ist sicherlich das Restaurant "elBulli" in Spanien, in dem der Koch Ferrán Adria Ausstellungsbesuchern einen Tisch reserviert hat.
Vom Bund gefördert
Finanziert wird die Ausstellung vom Land Hessen und der Stadt Kassel mit jeweils 3,5 Millionen Euro. Der Bund fördert die "documenta" über die Kulturstiftung des Bundes ebenfalls mit inzwischen 3,5 Millionen Euro.
Großen Anteil an der Realisierung der Ausstellung haben aber auch zahlreiche privaten Sponsoren und Förderer. Dennoch muss die "documenta" noch mehr als die Hälfte des Budgets durch eigene Einnahmen erwirtschaften.
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