Die "Wiege der Demokratie in Deutschland" nannte Theodor Heuß, der erste Bun-despräsident der Bundesrepublik Deutschland, das Hambacher Fest. Dabei hatten sich am 26. Mai 1832 rund 30.000 Menschen aus Deutschland, Polen und Frank-reich in Hambach versammelt und Forderungen formuliert, die sie auf dem Zug zum Schloss hinaus mit großem Nachdruck proklamierten: Pressefreiheit, freie und ge-heime Wahlen, Wahlrecht für Frauen gehörten zu ihren Forderungen. Diese öffentlich und mit großem Nachdruck einzufordern war angesichts der damals herrschenden politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten wagemutig und politisch riskant.
Heute, 175 Jahre später, dürfen die Pfälzer stolz drauf sein, Schauplatz dieses be-deutenden geschichtlichen Ereignisses gewesen zu sein und es gibt viele sehr un-terschiedliche Gründe, des Hambacher Festes zu gedenken: Da ist zum einen die Feststellung, dass viele der damals utopisch anmutenden Forderungen uns heute selbstverständlich erscheinen; da ist zum anderen die Sorge, dass einige der damals eingeforderten und zwischenzeitlich realisierten freiheitlichen Bürgerrechte heute wieder bedroht erscheinen.
Die Demokratie-Entwicklung der letzten 175 Jahre in Deutschland und in Europa ge-ben einerseits Anlass zum Feiern; zum fröhlichen Fest darüber, dass die damals re-volutionär und utopisch anmutenden Forderungen heute im Wesentlichen als umge-setzt angesehen werden können; zum fröhlichen Fest darüber, dass die Verständi-gung über Staatsgrenzen hin heute nicht nur zu Polen und Frankreich funktioniert, sondern auch zu den anderen europäischen Staaten. Aber natürlich auch Anlass, die Fehlentwicklungen und Risiken der heutigen Zeit unter die Lupe zu nehmen, kritisch zu hinterfragen. Es ist auch Zeit, "Demokratie in Europa im 21. Jahrhundert" zum Thema eines lebhaften Disputes und der Auseinandersetzung zwischen allen Inte-ressierten zu machen.
Das Hambacher Fest am Pfingstwochenende 2007 versucht, all diesen verschieden-artigen Anforderungen, Erwartungen und Herausforderungen mit einem vielseitigen, ebenso lebensfrohen wie politisch engagierten Programm gerecht zu werden:
- Führungen im Stundenrhythmus durch die Ausstellungen
- Hambacher Festzeitung, die vor Ort produziert wird (Medienpartnerschaft mit der Rheinpfalz)
- Hambacher Anstöße: Talk-Runde mit Prominenten Meinungsvertretern zu unterschiedlichen Aspekten von Demokratie-Entwicklung: Europa. Brau-chen wir die europäische Verfassung zur Sicherung der Demokratie? Ex-portschlager. Ist unsere Demokratie über Kulturgrenzen hinweg exportier-bar? "Weltanschauungen". Sind Glaubensinhalte und politische Überzeu-gungen vereinbar? Schon jetzt kann im Internet unter www.hambacher-anstoesse.de in Foren und zu Thesen mit Prominenten diskutiert werden.
- Siebenpfeiffer-Druckwerkstatt: Virtuelle Druckerei zur Nutzung für alle In-teressierten mit der Möglichkeit, sich eigene Druckerzeugnisse im vorge-gebenen Rahmen zu erstellen.
- politische Unterhaltungselemente wie Moritaten- und Bänkellieder; szeni-sche Aufführungen zum Hambacher Fest 1832,
- allgemeine Unterhaltungselemente wie Kostümgruppen, Musikgruppen etc. mit Gruppen auch aus Partnergemeinden Frankreichs (Macon) und Polens (Wolcyn).
Daneben gibt es an allen Tagen auf dem Schloss und in der Hambacher Schloss-gasse ein umfangreiches Unterhaltungs- und Betreuungsangebot für Erwachsene und Kinder, in das gezielt auch anlassbezogene Spielelemente mit eingebaut sind. Möglichkeiten der Verpflegung werden selbstverständlich in regionstypischer Weise angeboten.
Am Freitag vor dem Bürgerfest wird das Hambacher Schloss nach Abschluss der ersten Bauphase feierlich wiedereröffnet. Der erste Bauabschnitt umfasst die barrie-refreie Erschließung des Schlosses, die Schaffung eines zweiten Rettungsweges sowie die Herrichtung von Garderobe, Toilettenanlagen und Foyer. In einer neuen Bauausstellung "Das Hambacher Schloss - ein (Bau)Denkmal von der Historie in die Zukunft" wird dann auch erstmals die Baugeschichte dieses Denkmals gezeigt - ein-schließlich von Modellen der Baumaßnahmen, die in einer zweiten Bauphase ab No-vember 2007 begonnen werden sollen.
Im zweiten Bauabschnitt soll die Umgestaltung und Herrichtung des Fest-, Sie-benpfeiffersaales und die Neugestaltung der Dauerausstellung im Dachgeschoss folgen. Er umfasst weiter die Errichtung eines multifunktionalen Gebäudes anstelle der jetzt vorhandenen Burgschänke. Das neue Gebäude mit Museumsshop, Bistro und Verwaltungsräumen soll das Hambacher Schloss für den Besucher attraktiver machen und die Region touristisch aufwerten. Absicht ist es, in 2009 dann ein ange-messen renoviertes, restauriertes und ausgestattetes Hambacher Schloss präsentie-ren zu können, das als Denkmal und Wahrzeichen Zeugnis der deutschen wie euro-päischen Demokratieentwicklung ablegen kann.