Auf eine große Bedeutung von Andernach in römischer Zeit weisen neue umfangreiche Grabungsergebnisse hin. Die Stadt diente nicht nur als Verladeort für Tuffstein und Mühlsteine aus Basalt, sondern auch als Hafenstützpunkt. Für die logistische Versorgung der Truppen am Limes und in den Kastellen im rechtsrheinischen Raum und wahrscheinlich auch der Rheinflotte besaß der Umschlagsplatz eine wichtige Funktion, um Güter der Region zu verteilen. Mit der nun nachgewiesenen über 2000-jährigen Tradition gewinnt der Hafen am Mittelrhein eine besondere Gewichtung als bedeutender Wirtschaftsstandort im nördlichen Rheinland-Pfalz.
Im Zuge von Bauarbeiten zur Errichtung einer Hotelanlage im Stadtkern von Andernach führt die Landesarchäologie derzeit umfangreiche Grabungen durch. Auf einer Fläche von 4.000 Quadratmetern auf dem Gelände der früheren Malzfabrik sind vorzüglich erhaltene römische Gebäudereste der ehemaligen Hafenbebauung gefunden worden. Rheinseitige Stadtmauern aus frührömischer und spätantiker Zeit, die unmittelbar vor dem antiken Hafenbecken errichtet wurden, konnten auf einer Länge von 60 Metern durch die Koblenzer Archäologen freigelegt werden. Funde aus Baggerschnitten im eigentlichen Becken belegen an dieser Stelle die Nutzung eines Rheinarmes als Hafen schon seit dem frühen 1. Jh. n. Chr. (Abb. 1 - 2)
Um den Hafen entwickelte sich dann besonders im 2. und 3. Jh. n. Chr. eine dichte Bebauung mit Häuserzeilen, die entlang kiesgestickter Straßenführungen liegen. Von Bedeutung ist weiterhin eine mehrere Becken umfassende Thermenanlage mit einem großen halbrunden Kaltwasserbecken und mehreren Räumen mit Fußbodenheizung (Abb. 3). Durch die vorzügliche Erhaltung vor Ort sind die plattenbelegten Eingangsbereiche der einzelnen Stadthäuser mit den Angelsteinen der Tore an ursprünglicher Stelle vorhanden. Vielfältige Handwerkstätigkeit konnte durch Keramikbrennöfen, Metallschmelzen und Backöfen nachgewiesen werden.
Im 4. Jh. n. Chr. wurden die zivilen Stadthäuser an dieser Stelle abgebrochen und an deren Stelle ein mächtiger, militärisch genutzter Speicherbau errichtet. Zahlreiche Fundamentblöcke der Stützpfeiler sind im Grabungsbefund erhalten. Neben herausragenden Keramik- und Knochenfunden konnten bisher zahlreiche Münzen des 1. - 5. Jh. n. Chr., ein Goldring und Teile spätrömischer Militärgürtel geborgen werden (Abb. 4).
Weitere Informationen finden sich unter: www.gdke-rlp.de oder www.archaeologie-koblenz.de