5 - Auftragskomposition von Paul Pavey
Choreographie: Martin Schläpfer
Bühne: Thomas Ziegler
Kostüme: Catherine Voeffray
Tenorhorn, Gesang und Electronics: Paul Pavey
Wie ein Archäologe horcht er in seine Klänge hinein, betrachtet sie wie unter einem Vergrößerungsglas und spürt so in ihrem Innenleben ungeahnte Reibungskräfte auf, die sich durch Kombinationen von archaischen Naturlauten, entfesselter Folkloristik, weich swingenden Jazz-Anklängen, Neuer Musik, elektronischen Verfremdungen und durch immer neue Überschreitungen der typischen Klangcharakteristika und Spieltechniken zu einer musikalischen Wirklichkeit verdichten, die eine wesentliche Inspirationsquelle für den Tanz bildet: Paul Pavey zählt seit einigen Jahren zu Martin Schläpfers wichtigsten Partnern. Für seine letzte Uraufführung am Staatstheater - nach zehn Jahren sein Abschiedsgeschenk an das Mainzer Publikum - beauftragte Schläpfer den englischen Musiker, der seine Werke auch live spielt, für eine weitere Komposition. Hatte Paul Pavey sich in „3“ auf ein Violoncello und seine eigene Stimme konzentriert, so wählt er für „5“ ein Tenorhorn.
Simple Things
„Scarlatti Fever“ von Guy Klucevsek und Alan Bern,
Allegretto aus dem Klaviertrio Nr. 28 E-Dur Hob. XV:28 von Joseph Haydn,
„Weiße Landschaft“ für Klavier von Peteris Vasks
Choreographie: Hans van Manen
Bühne und Kostüme: Keso Dekker
Einstudierung: Gerald Tibbs
Neben Martin Schläpfer hat kein Tanzschöpfer den Stil und die künstlerischen Ausdrucksfähigkeiten des ballettmainz so stark geprägt wie Hans van Manen. Dem großen niederländischen Choreographen verdanken Tänzer wie Publikum ein mittlerweile umfangreiches Repertoire an herausragenden Werken. Hans van Manens Ballette scheinen von reiner Einfachheit durchdrungen, mit seinen genuin tänzerischen Mitteln zieht er die Zuschauer hinein in seine Welten, aus denen - obgleich er als der „König der Abstraktion“, der Meister des Purismus gilt - ein ganzer Kosmos menschlicher Gefühle und Beziehungen hervorbricht. Über „Simple Things“, 2001 für das Nederlands Dans Theater II entstanden, schrieb die Presse: „Es sieht alles so simpel aus. Es ist auch so logisch, so musikalisch und so perfekt inszeniert. Wie phantastisch, dass es noch Choreographen gibt, die selbst die Denkarbeit leisten, so dass der Zuschauer schamlos genießen kann!“
In the Upper Room
Musik von Philip Glass
Deutsche Ersteinstudierung
Choreographie: Twyla Tharp
Kostüme: Norma Kamali
Einstudierung: Keith Roberts
Dass mit „In the Upper Room“ nicht nur erstmals eine Choreographie der US-Amerikanerin Twyla Tharp in Mainz gezeigt werden kann, sondern ballettmainz die erste deutsche Compagnie überhaupt ist, die das 1986 entstandene Stück einstudieren darf, kann als hochkarätige Sensation bezeichnet werden. Twyla Tharp zählt zu den bedeutendsten und eigenwilligsten zeitgenössischen Choreographinnen - eine Künstlerin, die wie kaum eine andere Brücken zu schlagen weiß zwischen den unterschiedlichsten Genres. So ist ihr die Pop-Art, der Jazz und Schlager eine ebenso reiche Inspirationsquelle wie die zeitgenössische E-Musik, der Modern Dance ebenso wie das klassische Ballett, der Broadway, für den sie seit 1980 kreiert, und der Film - ein Genre, in dem sie u. a. mit Milos Forman zusammenarbeitete („Hair“ und „Amadeus“). „In the Upper Room“ ist eine 40-minütige Entfaltung tänzerischer und musikalischer Energien voll pulsierender Rhythmik. Einige der 13 Tänzerinnen und Tänzer tragen Sportdress und Turnschuhe, andere Trikots und Spitzenschuhe. In neun „Sections“ kommt es auch hier zu einem Brückenschlag - einer allmählichen Verschmelzung der verschiedenen Ausdrucksformen zwischen Modern Dance und klassischem Ballett, die eines deutlich macht: Twyla Tharp geht es nie um die Frage nach einem einzigen Stil, sondern immer nur um Tanz - von eindringlicher Relevanz, atemberaubend virtuos und extrem physisch.
Veranstaltungsort
Staatstheater, Großes Haus
Gutenbergplatz 7
55116 Mainz
Quelle:
www.staatstheater-mainz.de
Bild: © Gert Weigelt