Am 14. September 2006 wird die Stadt Speyer erstmals den mit 5.000 Euro dotierten Arno-Reinfrank-Literaturpreis vergeben. Erster Preisträger ist der 35-jährige Berliner Lyriker Jan Wagner, der als der "virtuoseste Formenspieler seiner Generation" gilt. Das Preisgeld stiftet Jeanette Koch, die in London lebende Witwe Reinfranks. Sie wird gemeinsam mit Oberbürgermeister Werner Schineller die Auszeichnung im Historischen Rathaus übergeben. Im Rahmen dieser Feierstunde wird sich der Preisträger Jan Wagner in seiner Festrede mit dem Werk Arno Reinfranks auseinandersetzen. Seinem eigenen literarischen Schaffen ist der darauf folgende Abend gewidmet.
Am Freitag, dem 15. September 2006, um 19.00 Uhr, ebenfalls im Historischen Rathaus in Speyer, wird Jan Wagner aus seinem Gedichtband "Guerickes Sperling" lesen und weitere unveröffentlichte Gedichte unter den Titel "Achtzehn Pasteten" vortragen.
In Erinnerung an den 2001 in London verstorbenen Schriftsteller Arno Reinfrank (1934-2001) soll der Literaturpreis alle drei Jahre vergeben werden. Mit dem Preis sollen laut Satzung deutschsprachige SchriftstellerInnen für herausragende literarische Leistungen in Lyrik oder Prosa ausgezeichnet werden, die im Sinne des Werkes von Arno Reinfrank den Idealen des Humanismus und der Aufklärung verpflichtet sind beziehungsweise sich literarisch mit den Prozessen und Phänomenen von Wissenschaft und Technik auseinandersetzen.
"Die Stadt Speyer ist stolz darauf, neben dem Hans-Purrmann-Preis für Bildende Kunst nun auch im literarischen Bereich einen Preis zur Kulturförderung vergeben zu können", betont Oberbürgermeister Werner Schineller.
Der Schriftsteller Reinfrank, 1934 in Mannheim geboren und in Ludwigshafen aufgewachsen, lebte seit 1955 in London, hielt aber zeitlebens Kontakt zu seiner Pfälzer Heimat. Dies belegen nicht zuletzt die zahlreiche Bezüge zur Stadt Speyer. Die Pfälzische Landesbibliothek im Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz beherbergt in Speyer den schriftstellerischen Nachlass von Arno Reinfrank und ehrte ihn mit einer umfassenden Ausstellung im November 2004. Darüber hinaus pflegte Arno Reinfrank eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Speyerer Verlag Marsilius. Dieser publizierte u.a. das 1000-seitige Millenniumsprojekt "Fin de Siècle- Die letzten 1000 Tage", ein Tagebuchprojekt, in dem er zusammen mit dem Speyerer Künstler Klaus Fresenius den Ausgang des vergangenen Jahrtausends reflektierte. In Reinfranks Todesjahr verlegte Marsilius den bibliographischen Bericht "Arno Reinfrank- Zeitzeuge, Lyriker, Querdenker", in dem die Publikationen aus 40 Jahren zusammengefasst sind. "So ist es nur folgerichtig, dass die Witwe des Schriftstellers an die Stadt Speyer mit dem Angebot herangetreten ist, den Arno-Reinfrank-Literaturpreis gemeinsam auszuloben", unterstreicht Oberbürgermeister Werner Schineller.
Juryentscheid
Für die Jury zeigte die Lyrik des ersten Preisträgers Jan Wagner eine deutliche Affinität zu Reinfranks "Poesie der Fakten". Mythologische Symbolstätten werden wie triviale Gegenstände der Alltagswelt ausschnitthaft, aber mikroskopisch genau in Augenschein genommen und dabei suggestiv in einen sinnhaften Zusammenhang einbezogen. Jan Wagner entwickelte dabei eine unprätentiöse Artistik der Sprache, die noch mit den inhaltlichen Motiven wie den sprachlichen Formen zugleich virtuos und spielerisch umgehe. Was Jan Wagner schließlich mit Arno Reinfrank verbinde, sei die enge Beziehung zur angelsächsischen Kultur und auch hier wieder vor allem zur Lyrik.
Jan Wagner wurde 1971 in Hamburg geboren. Er hielt sich längere Zeit in Dublin auf und lebt seit 1995 als Schriftsteller, Herausgeber und freier Literaturkritiker in Berlin. Als Übersetzer englischsprachiger Lyrik erhielt er den Übersetzerpreis der Stadt Hamburg. 2001 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband "Probebohrungen im Himmel", 2004 folgte der Lyrikband "Guerickes Sperling".
Arno Reinfrank wurden folgende Preise verliehen:
? Kurt-Tucholsky-Buchpreis Hamburg 1957
? Kurt-Tucholsky-Prämie Kiel 1964
? Förderpreis der Stadt Ludwigshafen 1964
? Förderstipendium des Kultusministeriums Rheinland-Pfalz
für Arbeitsaufenthalt in Paris1967
? Fördergabe des Pfalzpreises für Literatur 1968
? Förderpreis des Landes Rheinland-Pfalz 1973
? Villa-Massimo-Stipendium 1978/79
? Robert-Blum-Preis 2001 (posthum)