Dr. Dieter Schiffmann lobte den Preisträger: "Mit F.C. Delius zeichnen wir einen Literaten aus, dessen Charakterstudien der Bundesrepublik kritische Bestandsaufnahmen der Macht eines Staates sind, der nach verlorenem Weltkrieg Demokratie mühsam erlernen musste. In Umkehrung dieser Perspektive tauchen aber auch immer wieder Opfer der Macht, Rebellen gegen Herrschaftsstrukturen als ‚Helden' in seinen Romanen und Erzählungen auf. Delius verfasst keine Tatsachen- oder Enthüllungsromane, er ist vielmehr ein Chronist der "Irrsinnsgeschichte" der Bundesrepublik Deutschland, immer aber auch bemüht, die Vielfalt der Argumente, Differenzen, Geschichten, Debatten fördern zu helfen.
Die Reaktion des Preisträgers auf die Verleihung des Gerty-Spies-Preises: "Ich war völlig überrascht, so rasch nach dem Georg-Büchner-Preis wieder einen Preis zu bekommen. Dann hat man mir erklärt, was es speziell mit diesem Preis auf sich hat - und dann hab ich ihn natürlich sehr erfreut, sehr geehrt, angenommen."
F.C. Delius, 1943 in Rom geboren, wuchs in Wehrda und Korbach auf. Studium an der TU Berlin (Dr. phil. 1970). 1970 bis 1978 Lektor in den Verlagen Klaus Wagenbach und Rotbuch. Prozesse, die die Siemens AG (1972 - 76) und Helmut Horten (1979 - 82) gegen ihn führten, überstand er erfolgreich. Seit 1978 ist er freier Schriftsteller. Seit 2001 lebt er in Rom und Berlin. Er ist Mitglied der Freien Akademie Hamburg, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Akademie der Künste Berlin. Er war Mainzer Stadtschreiber 1997 und erhielt den Büchner-Preis 2011.
Der Gerty-Spies-Literaturpreis ist nach der 1897 in Trier geborenen Schriftstellerin Gerty Spies benannt, die am 10. Oktober 1997 hundertjährig in München gestorben ist. Als Holocaust-Überlebende kämpfte sie mit ihren Gedichten und Erzählungen dafür "zu verzeihen - aber nicht zu vergessen" und "das Herz rein zu halten von Hass- und Rachegefühlen".
Die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger waren:
1996 Jean-Philippe Devise
1998 Dr. Christiane Schmelzkopf
2000 Gabriele Weingartner
2002 Johano Strasser
2004 Ruth Almog
2006 Peter Härtling
2008 Katja Lange-Müller
2009 Juli Zeh
2010 Günter Wallraff
2011 Christoph Hein