Joseph-Breitbach-Preis für Kurt Flasch

Die Jury des Joseph-Breitbach-Preises, den die Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, und die Stiftung Joseph Breitbach gemeinsam vergeben, hat in ihrer Sitzung am 20. April 2012 Kurt Flasch (1930 in Mainz geboren) als diesjährigen Preisträger benannt. Kurt Flasch wird für sein Gesamtwerk ausgezeichnet. Der Preis ist mit 50.000 € dotiert. Die Preisverleihung fand am 21. September im Stadttheater Koblenz statt.
Kurt Flasch

Die Begründung der Jury:

Mit Kurt Flasch zeichnet die Jury einen großen Philosophen und Historiker aus und zugleich einen »der urbansten Schriftsteller« (Gustav Seibt), der die Literatur der Gegenwart durch seine Essays, Übersetzungen und Erinnerungen bereichert hat.
Seine Epochen-Darstellungen und Monographien machten, von Augustinus ausgehend, den Zusammenhang des abendländischen Denkens, der intellectual history, seit der Spätantike sichtbar. Seine staunenswerte Gelehrsamkeit, sein glanzvoller Stil und sein kämpferischer Witz öffnen dem Leser den Blick für die Aktualität, aber auch für das ganz Andere jener scheinbar überwundenen Fragestellungen und Kontroversen.

»Philosophie hat Geschichte« – dieser Leitsatz machte Flasch zum Erzähler, der Universitätsfehden in Paris so lebendig werden lässt wie Intrigen am päpstlichen Hof. Der Übersetzer von Augustins ›Bekenntnissen‹ wandelte sich zum Novellisten, der Boccaccios ›Decamerone‹ und die Epoche seiner Entstehung neu erfindet. Die eigene Mainzer Kindheit, im jähen Schrecken endend, und das vertrackte Weiterleben von ›Eva und Adam‹, vom verlorenen Paradies, wurden für sich geltende Meisterstücke der Gegenwartsliteratur, ehe Flasch jetzt mit der monumentalen Übersetzung von Dantes ›Comedia‹ und ihrer Gesamtdeutung sein bisheriges Lebenswerk zusammenfasste.

Zum Joseph-Breitbach-Preis
Seit 1998 wird der Joseph-Breitbach-Preis der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, gemeinsam mit der Stiftung Joseph Breitbach an deutschsprachige Autoren aller Literaturgattungen – ungeachtet ihres jeweiligen Wohnsitzes – vergeben. Stiftung und Akademie entsprechen damit dem Willen des am 9. Mai 1980 in München verstorbenen Schriftstellers Joseph Breitbach, der, in Koblenz geboren, in Paris und München gelebt hat.

Bisherige Preisträger
Hans Boesch, Friedhelm Kemp, Brigitte Kronauer (1998); Reinhard Jirgl, Wolf Lepenies, Rainer Malkowski (1999); Ilse Aichinger, W.G. Sebald, Markus Werner (2000); Thomas Hürlimann, Ingo Schulze, Dieter Wellershoff (2001); Elazar Benyoëtz, Erika Burkart, Robert Menasse (2002); Christoph Meckel, Herta Müller, Harald Weinrich (2003), Raoul Schrott (2004), Georges-Arthur Goldschmidt (2005), Wulf Kirsten (2006), Friedrich Christian Delius (2007), Marcel Beyer (2008), Ursula Krechel (2009), Michael Krüger (2010), Hans Joachim Schädlich (2011)

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