PENELOPE rekonstruiert - Geschichte und Deutung einer Frauenfigur -

Eine Sonderausstellung in den Viehmarktthermen Trier Freitag 25.04. - Sonntag 22.06.2008

Eine Sonderausstellung in den Viehmarktthermen Trier

 

 

 

Freitag 25.04. - Sonntag 22.06.2008

 

Im archaischen Griechenland gehörten das Spinnen und das Weben wertvoller Stoffe zu den wichtigsten Aufgaben der Frauen, die denen der Männer ? wie Krieg führen oder zur See fahren ? gleichgestellt waren. Penelope, die Frau des Odysseus, ist die berühmteste sterbliche Weberin der antiken Literatur. Zwanzig Jahre bleibt sie ihrem Ehemann treu und wartet auf seine Rückkehr. In der Odyssee Homers sagt sie: „Nach Odysseus mich sehnend, schmelze ich dahin in meinem Herzen. Die Freier drängen auf die Hochzeit, ich aber wickle ein Knäuel von Listen.“ Um ihren Heiratskandidaten zu entgehen, webt sie ? angeblich in gewissenhafter Erfüllung familiärer Pflichten ? über drei Jahre lang an einem Leichentuch für ihren Schwiegervater Laertes, das jedoch nie fertig wird, da sie nachts die tagsüber entstandenen Partien immer wieder auftrennt.

 

Klugheit, Standhaftigkeit und Durchhaltevermögen, womit die ‚alleinerziehende’ Penelope ihre Situation meisterte, machten sie zum Vorbild und Ideal für die Frauen der Antike. Die Gipsrekonstruktionen zweier Statuen der ‚Trauernden Penelope’ bilden den Mittelpunkt der Ausstellung. Sie wurden auf der Grundlage einer neuen Bestandsaufnahme aller antiken Kopien hergestellt. Die wichtigsten fünf Kopien sind ebenfalls als Gipsabgüsse zu sehen und machen die wissenschaftlichen Überlegungen für die Besucher nachvollziehbar.

 

Auf einem attischen Trinkgefäß um 440 v. Chr. ist der Webstuhl der Penelope zu sehen, auf dem das Leichentuch für Laertes, ein Gewebe mit komplizierten Figuren und Bordüren, aufgespannt ist. Mittlerweile weiß man, dass solche Muster nicht aufgestickt, sondern eingewebt waren. Neue Forschungen einer Mathematikerin, die in dieser Ausstellung und im Katalog erstmals mit den archäologischen Zeugnissen zusammengeführt werden, zeigen, dass eingewebte Motive exakte Planungen und Berechnungen der Weberin (insbesondere beim Gewebeanfang) voraussetzen. Zahlreiche Hinweise in Homers Ilias und Odyssee deuten auf diese „Kopfarbeit“ hin, waren bisher jedoch schwer verständlich. In der Ausstellung wird der Nachbau eines antiken Webstuhles mit einem Gewebeanfang die handwerkliche Umsetzung veranschaulichen.

 

Wie zeitlos Penelope als Leitbild ist, zeigt die Ausstellung schließlich anhand der Situation der Frauen im Nachkriegsdeutschland der Fünfziger Jahre, als Werbeslogans wie „Aus Kindern werden Leute, aus Mädchen werden Bräute“ einer Generation von Frauen gegenüberstanden, die sich erstmals von überkommenen Erwartungen befreiten: „Wenn ich Bilanz ziehen würde, würde ich sagen, dass die Frauenemanzipation eine der wenigen Erfolgsgeschichten der Bundesrepublik ist.“ (Hildegard Hamm-Brücher, 2006)

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