Für seine neue Choreographie "Tänze", dem 1. Teil des ballettmainz Programm XIX, hat Martin Schläpfer Musik aus drei Jahrhunderten gewählt - fünf Klavierminiaturen von Carl Philipp Emanuel Bach, Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven, Robert Schumann und Wolfgang Rihm. Die Zusammenstellung ist ungewöhnlich und äußerst reizvoll, steht doch jede der in ihrer Kürze höchst verdichteten Tastenmusiken für sich und doch in einem, allerdings fremden Zusammenhang. Ungeahnte Beziehungen bilden sich, "keine Sprünge, sondern ein vertikales Verbundensein. Die Welten ändern sich - und trotzdem bleibt es eine" (Martin Schläpfer).
Der junge Franzose Eric Oberdorff arbeitet zum ersten Mal mit ballettmainz. Er war als Tänzer bei den Ballets de Monte Carlo sowie beim Zürcher Ballett engagiert und wurde seit 1997 als Choreograph zu verschiedenen Festivals, wie den Berner Tanztagen, dem Festival de Cannes und dem Festival International de Biarritz eingeladen. 2001 gewann er den ersten Preis des Choreographie-Wettbewerbes in Hannover, ein Jahr später gründete er sein eigenes Ensemble, die Compagnie humaine.
Im 2. Teil des ballettmainz Programm XIX, Oberdorffs Tanzstück "A Momentary Lapse Of Being" beschäftigt er sich mit jenen beklemmenden Momenten im Leben, in denen ein Mensch den Boden unter den Füßen verliert. Durch ein emotional erschütterndes Ereignis fühlt er sich jäh verlassen, orientierungslos und verletzlich; der Körper scheint bleiern und unbeweglich - und gleichzeitig so fragil wie Seidenpapier.
Im letzten Teil des Programms kreiert Martin Schläpfer ein Ballett zum Streichquartett von Witold Lutoslawski. Im Schaffen des 1994 verstorbenen polnischen Komponisten mischen sich Avantgarde-Elemente mit einem ausgeprägten Sinn für musikalische Tradition. Die Suche nach neuen Verfahren mittels einer zeitgenössischen Musiksprache charakterisiert die Werke Lutoslawskis ebenso wie sein Interesse an dramatischen Konflikten und deren Lösungen, das sich beispielsweise im Streichquartett durch das Prinzip Spannung-Entspannung verdeutlicht.
Freuen Sie sich auf einen außergewöhnlichen Ballettabend am 09. Januar 2006 um 20 Uhr im
Staatstheater Mainz, Kleines Haus
Tritonplatz
55116 Mainz
Die Vorstellungsdauer beträgt etwa 2:45 Stunden (mit Pausen). Karten gibt es unter Telefon 06131-28510 oder auf der Homepage des Theaters: www.staatstheater-mainz.de