Staatstheater Mainz

Die Tragödie von Pierre Corneille in einer Inszenierung von Frank-Patrick Steckel.

 

"Sorgen wir für uns und pfeifen auf den Rest" erklärt eine Figur im Stück und umreißt damit den Horizont seiner Akteure. Die Welt, die Corneille in "Othon" beschreibt, ist nicht größer als der politische Machtapparat, der nötig ist, um sie zu beherrschen. Die Figuren, Machthaber und als solche Gefangene in diesem Weltbeherrschungsapparat, hier genannt Römisches Reich, vermögen sich eine Welt außerhalb seiner weltfremden und weltverzerrten Strukturen und Gesetze, seiner Zwänge, Mechanismen und Forde rungen nicht vorzustellen: Seine Bewegungen ersetzen ihnen das Schicksal und werden mit ihm gleichsam verwechselt. Ihr beständiger Opportunismus, wesentlich darauf gerichtet, Macht anzuhäufen und zu erhalten, schält ihnen nach und nach das Fleisch der Humanität von den Knochen. Dabei sind die Bewegungsgesetze der politischen Materie weitgehend unberechenbar.

 

Trotz aller Anstrengungen, "die Dinge in den Griff zu bekommen", vermögen die Figuren sich aus dem Griff der Dinge, in dem sie sich winden, nicht zu befreien - außer durch das Sterben. "Othon" ist ein Stück über die Politik an der Schwelle zur Moderne.

 

Pierre Corneille wurde 1606 in Rouen geboren, studierte Jura und arbeitete bis 1650 als Anwalt - ein Zeitpunkt, an dem er durch eine Vielzahl von Komödien und Tragödien in Frankreich als Dichter längst berühmt war. Sein erstes Stück veröffentlichte er mit 23 Jahren, seine ersten großen Erfolge erreichte er mit "Medea" und seinem heute wohl noch bekanntesten Drama, "Le Cid" 1637. Als Corneille am 1. Oktober 1689 starb, würdigte ihn der Dichter Racine: "Unter der Regierung des größten Königs blühte mit Corneille der berühmteste aller Dichter." Die 1664 entstandene Tragödie wird vom Regisseur für diese Aufführung neu übersetzt.

 

"Othon" ist zu sehen am 17. Februar 2006 um 20 Uhr im

 

Staatstheater Mainz, Kleines Haus

Gutenbergplatz 7

55116 Mainz

 

Karten gibt es unter Telefon 06131-28510 oder im Internet auf www.staatstheater-mainz.de

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