Die Theaterferien sind vorbei - doch es dauert noch einige Wochen, bis die ersten Premieren der neuen Spielzeit die Besucherinnen und Besucher wieder in die Theater des Landes ziehen werden. Grund genug, einen Blick auf die Spielpläne für die kommende Saison zu werfen. Und dieser Blick nach vorn darf gerne mit einer Feststellung über die letzte Spielzeit beginnen: Bei der alljährlichen Kritikerumfrage der „Deutschen Bühne“ erhält das Theater Trier (www.theater-trier.de) als einziges aus Rheinland-Pfalz gleich zwei mal eine positive Nennung als besonders interessantes Theater abseits der Zentren.
Mit einer doppelten Besonderheit macht das Stadttheater Koblenz (www.theater-koblenz.de) auf sich aufmerksam: Die neue Spielzeit ist die letzte der Intendantin Annegret Ritzel. Sie hat sich ein opulentes Jahresheft geleistet, das mehr Rückblick und Chronik ihrer Intendantenzeit als Ausblick auf die neue Spielzeit ist - und die ist stark verkürzt: Erst am 30. November 2008 wird nach der Renovierungsphase für die neue Bühnenmaschinerie die dann modernisierte Bühne mit einer großen Operngala in Betrieb genommen. Doch bis dahin muss Koblenz keineswegs auf Theater verzichten: Kammerspiele und Probebühne und der Innenhof des Deinhard-Geländes bieten genügend Spielmöglichkeiten.
Der Versuch, Gemeinsamkeiten oder „rote Fäden“ innerhalb eines Spielplans oder gar zwischen den einzelnen Spielplänen der Theater zu finden, ist sicherlich müßig - auch wenn manche Häuser sich ein Spielzeitmotto geben, das leitmotivisch das jeweilige Jahresprogramm beschreiben soll. Kaiserslautern ( www.pfalztheater.de ) hatte dies einige Jahre lang - nun nicht mehr. In Mainz ( www.staatstheater-mainz.de ) folgt auf „Wagemut und Widerstand“, dem Motto der letzten Spielzeit, nun eine Frage als Motto: „Wieviel Familie braucht der Mensch“.
Dennoch lassen sich einige Auffälligkeiten registrieren. So erfährt in der kommenden Spielzeit Shakespeare besondere Aufmerksamkeit: „Hamlet“ in Mainz, „Romeo und Julia“ in Trier, „König Lear“ in Koblenz als Wiederaufnahme. Im Opernbereich ist Wagner einer der Favoriten: „Walküre“ wird in Koblenz geboten, Mainz eröffnet mit „Parsifal“.
Unter den Eigenwilligkeiten der Theater fällt auf, dass Kaiserslautern und Trier die Bühnenfassung des Films „Einer flog über das Kuckucksnest“ im Programm haben. Mainz und Trier bringen im Dezember bzw. Januar „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ von Eugene ONeill. Eine interessante Wiederentdeckung verspricht „Das Liebeskonzil“ von Oskar Panizza am Pfalztheater in Kaiserslautern. Dort wird auch am 12. Dezember die Uraufführung von „Tank“ über die Werkstattbühne gehen. Die Autorin Almut Baumgarten hat in diesem Jahr hierfür den Else-Lasker-Schüler Stü¬ckepreis des Landes Rheinland-Pfalz erhalten.
Das Musical als eigenständige Kunstform hat seinen traditionellen Rang am Pfalztheater in Kaiserslautern. Dort ist für die kommende Spielzeit eine neue Inszenierung von „Hair“ geplant. Nach dem großen Erfolg von „Jesus Christ Superstar“ und „Ludus Danielis“ sind die Erwartungen an „Hair“ sicherlich besonders hoch.
Im Bereich Tanz und Tanztheater haben neben dem Staatstheater Mainz - hier läuft nunmehr die letzte Spielzeit mit Ballettdirektor Martin Schläpfer - inzwischen auch die Theater in Trier und Kaiserslautern mit neuen Kompagnien und Ballettdirektoren auf sich aufmerksam gemacht. Für alle drei Kompagnien scheint die Musik von Peter Tschaikowskij hoch favorisiert: „Schwanen.See“ in Trier sowie „Pique Dame“ und „Der Nussknacker“ dürften dies belegen und auch Martin Schläpfer nimmt eine Cho¬reographie von George Balanchine zu Musik aus „Schwanensee“ in sein Programm auf.
Neben dem Staatstheater und den drei kommunalen Theatern bietet Rheinland-Pfalz darüber hinaus weitere hoch interessante Angebote für passionierte Theatergänger. Die Landesbühne Rheinland-Pfalz (www.landesbuehnerheinland-pfalz.de) ist mit ihren Produktionen immer wieder auch im Schlosstheater Neuwied zu sehen.
In Ludwigshafen (www.theater-im-pfalzbau.de) finden die Festspiele Ludwigshafen statt, deren Programm eine bewährte Mischung aus Schauspiel und Tanztheater darstellt. Einen besonderen Akzent bildet dabei ein Angebot gezielt für Jugendliche und neuerdings auch Figurentheater. Das Theater im Pfalzbau ist auch in der kommenden Spielzeit noch auf die Ausweichspielstätte im Corso Kino angewiesen. Alle hoffen, dass im nächsten Jahr der Rückumzug in das dann renovierte und sanierte Gebäude des Theaters im Pfalzbau tatsächlich erfolgen wird.
Insgesamt versprechen die Bühnen des Landes ein abwechslungsreiches Programm in allen Sparten, das sowohl Klassiker aufweist, als auch moderne Stücke, Ur- bzw. Erstaufführungen und Wiederentdeckungen. Für besonders interessierte Besuche¬rinnen und Besucher lockt ein Vergleich zwischen unterschiedlichen Inszenierungen in einer Spielzeit - oder auch über Spielzeiten hinweg. Solche Chancen bieten sich z. B. bei „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ und „Des Teufels General“ (beide letzte Spielzeit in Mainz, neue Spielzeit in Trier).