Verleihung des Georg-K.-Glaser-Preises an Sandra Hoffmann

Er hat sich zu einem renommierten und bundesweit wahrgenommenen Literaturpreis entwickelt: der Georg-K.-Glaser-Preis. Zusammen mit dem Südwestrundfunk vergibt die mit 10.000 EUR (Förderpreis mit 3.000 EUR) dotierte Auszeichnung das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur. In diesem September erhält ihn zum ersten Mal eine Frau: Sandra Hoffmann, die derzeit Stipendiatin im Künstlerhaus Edenkoben ist, für ihre unveröffentlichte Erzählung "Der Hund". Die Jury hob in ihrer Begründung hervor, dass die 1967 geborene Autorin mit der Bildkraft ihrer Sprache, die sie bereits in ihrem Roman "Den Himmel zu Füßen" (2004) und der Erzählung "Schwimmen gegen Blond" (2002) unter Beweis gestellt habe, zu den großen Begabungen der jungen deutschen Literatur zähle.

 

Der Preis ist nach dem 1910 in Guntersblum in Rheinhessen geborenen und 1995 in Paris verstorbenen Autor Georg K. Glaser benannt, dessen Roman "Geheimnis und Gewalt" als Jahrhundertroman gewürdigt wurde.

 

Die Liste der bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger spricht für sich:

1998 Manfred Etten, 1999 Andreas Dury, 2000 Christoph Peters, 2001 David Wagner, 2002 Thomas Lehr, 2003 Wolfgang Schömel, 2004 Hanns-Josef Ortheil

 

Und auch die Förderpreisträgerinnen und Förderpreisträger sind inzwischen keine Unbekannten mehr:

1998 Jörg Matheis, 1999 Tobias Wilke, 2000 Annegret Held, 2001 Andreas Laudert, 2002 Nadja Einzmann, 2003 Norbert Hummelt, 2004 Monika Rinck.

 

Apropos Literaturförderung in Rheinland-Pfalz: Das bundesweit beachtete Modell wurde einmal als "Rundum-sorglos-Paket" für junge und etablierte Autoren bezeichnet, und daran ist auch etwas Wahres. Es beginnt schon mit der Leseförderung. Rheinland-Pfalz finanziert jährlich etwa 400 Lesungen von Autorinnen und Autoren vor Schulklassen und in Bibliotheken. Mit den vom Friedrich-Bödecker-Landesverband organisierten Veranstaltungen erreichen wir jährlich circa 20.000 Zuhörerinnen und Zuhörer (www.fbk-rlp.de).

 

Mit dem Nach-Pisa-Projekt "Leselust in Rheinland-Pfalz" (www.leselust-rlp.de) haben wir als erstes Bundesland ein komplettes Programm zur Lesekompetenzförderung vorgelegt, das zusammen mit dem Literaturbüro, der Stiftung Lesen, dem Friedrich-Bödecker-Landesverband, dem Landesbibliothekszentrum und dem Landesverband des Börsenvereins mit stetig wachsender Akzeptanz umgesetzt wird. Es soll nicht nur Spaß an der Literatur vermitteln, sondern auch die künftigen Buchkäuferinnen und Buchkäufer erreichen.

 

Und die Nachwuchstalente: Bei dem bundesweiten Wettbewerb "Schüler schreiben" mit jährlich rund 3.000 Einsendungen aus ganz Deutschland erreichen die Rheinland-Pfälzer immer wieder Spitzenplätze. Damit nicht genug: in Schreibwerkstätten werden sie im Anschluss daran in Rheinland-Pfalz von professionellen Autorinnen und Autoren weiter betreut (www.little-artur.de). Etliche heute etablierte Autoren haben so begonnen: Marcus Braun mit inzwischen drei Romanen, Regine Bielefeldt mit ARD-Filmen zur Hauptsendezeit, Andreas Laudert mit Theaterstücken oder Tamara Bach mit Jugendbüchern. Zum Beispiel. Eine umfangreiche Bilanz dazu wird Ende des Jahres erscheinen.

 

Der nächste Schritt auf dem Weg zum Autor ist die Teilnahme an den beiden Wettbewerbspreisen des Landes, dem Georg-K.-Glaser-Preis und den Martha-Saalfeld-Förderpreisen (www.literaturbuero-rlp.de/lib/htm/service/foerdermoeglichkeiten.htm). Hier werden Talente von hochkarätigen Juroren gefunden und kontinuierlich gefördert. So kam Jörg Matheis zum Beispiel zu C. H. Beck oder Christoph Peters zu seinem fulminanten Debüt. Damit sie weiterhin Zeit zum Schreiben haben, schicken wir die Autoren in Künstlerhäuser (www.kuenstlerhaus-edenkoben.de). Die besten Wettbewerbstexte veröffentlichen wir in Literaturjahrbüchern. Seit 1994 sind es 11 Bände mit über 3.000 Seiten und rund 250 Autorinnen und Autoren (http://www.literaturbuero-rlp.de/lib/htm/service/jahrbuch-literatur-rlp.htm).

 

Zudem dokumentieren wir die Literatur aus Rheinland-Pfalz selbstverständlich auch online: www.literatur-rlp.de und letztens in einem Buch von Gabriele Weingartner mit Werkstattgesprächen: "Schreibtisch.Leben" (www.brandes-apsel-verlag.de/autor_r_z.htm), Dass dabei die Literaturszene des Landes nicht vergessen wird, ist selbstverständlich. Im "Literarischen Reiseführer Rheinland-Pfalz" (www.literarisch-reisen-rlp.de), der von Ausonius bis Zuckmayer und darüber hinaus das Literaturland in Text, auf CD-ROM und online (auch Englisch) vorstellt, wird sie von Fachleuten ausführlich beschrieben. Auch dies 2001 ein Novum in der deutschen Kulturszene. Darüber hinaus fördern die Rheinland-pfälzischen Literaturtage seit 1992 die Selbstdarstellung der Szene (www.foerderkreis-rlp.de/littage.htm) ebenso wie die Literaturreihe "Edition Schrittmacher", in der Texte der im Lande Schreibenden verlegt werden (www.rmv-web.de/schrittmacher/). 2004 begonnen, werden es zur Buchmesse bereits sechs Veröffentlichungen sein, darunter zwei Anthologien mit Prosa und Lyrik.

 

Diese Erfolge sprechen sich herum - glücklicherweise, denn der Rückkopplungseffekt ist unübersehbar. Ohne literarisches Talent bleibt Geschriebenes reine Hobbyliteratur. Aber ohne Förderung bleibt ein literarisches Talent meist ohne Resonanz.

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